Heute ist Frauentag – nicht vergessen!

By Matthias Morgenstern
On 8. März 2018 At 09:57

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Auch wenn Ihre Frau heute schon im Supermarkt, in der Apotheke und wo auch immer Blumen geschenkt bekommen hat – Sie dürfen auf keinen Fall ohne Blumen nach Hause kommen!

Gut kommt auch immer eine Einladung zu einem Candle-Light-Dinner, oder, wenn Sie es sich zutrauen, etwas selbst gekochtes bei einer guten Flasche Wein an….

Der Ursprung des Frauentages ist allerdings heute in unserer kommerzialisierten Welt (fast) in Vergessenheit geraten.

Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin schlug auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor, ohne jedoch ein bestimmtes Datum zu favorisieren. Die Idee dazu kam aus den USA. Dort hatte das nationale Frauenkomitee beschlossen, einen besonderen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Dieser erste Frauentag in den USA am 28. Februar 1909 war ein Erfolg – auch weil sich bürgerliche Frauenrechtlerinnen den Forderungen nach dem Frauenwahlrecht anschlossen und gemeinsam mit den Sozialistinnen demonstrierten.

Der erste Frauentag wurde dann am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. Mit der Wahl des Datums sollte der revolutionäre Charakter des Frauentags hervorgehoben werden, denn der Vortag, der 18. März, war der Gedenktag für die Gefallenen während der Märzrevolution 1848. Außerdem hatte auch die Pariser Kommune 1871 im März begonnen.

Seit 1926 gab es in der Weimarer Republik dann zwei Internationale Frauentage: einen kommunistischen am 8. März und einen sozialdemokratischen ohne festes Datum.

In Deutschland forderten Frauen Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnabschläge, eine Senkung der Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und den legalen Schwangerschaftsabbruch.

In der Zeit des Nationalsozialismus war der Frauentag offiziell verboten. Das Feiern des 8. März wurde aber zu einem Erkennungsmerkmal von Widerstand und sozialistischer Untergrundarbeit. Methoden waren das ‚Auslüften‘ von roten Gegenständen am 8. März aus Fenstern oder Wäscheleinen oder das Auslegen illegaler Flugblätter.

Während nach dem 2. Weltkrieg im „Westen“ der Frauentag allmählich in Vergessenheit geriet, führte 1946 die sowjetische Besatzungszone den 8. März wieder ein. In der DDR war der Frauentag durch seine Geschichte geprägt, er hatte zunächst den Charakter einer sozialistischen Veranstaltung und wurde erst in den späten 1980ern festlicher, ungezwungener und weniger ideologisch begangen. 

Erst mit dem Engagement der neuen Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre rückte der 8. März in der Bundesrepublik und anderen Ländern wieder stärker ins Bewusstsein.

Durch die Vereinigung beider deutscher Staaten veränderte sich die Geschichte und die Aktionen zum Internationalen Frauentag noch einmal sehr. Nach einer Phase, in der das Begehen eines Feiertages der DDR als nicht mehr opportun galt, regten sich 1993 das erste Mal wieder Frauengruppen in Ost und West, um diesen Tag nun im Sinne der Einforderung von (verlorenen) Frauenrechten zu nutzen. 

Im Jahr 2010 plädierte Alice Schwarzer für eine komplette Streichung des Tages: „Schaffen wir ihn […] endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“

Allerdings wurde er inzwischen von der Gilde der Blumenhändler, den Parfümverkäufern, der Gastronomie und den Pralinenläden als kommerzielle Goldgrube entdeckt und gefördert.

Den ursprünglichen Sinn hat er zwar verloren, aber auch dem Mann50plus steht es gut zu Gesicht – unabhängig von all den anderen aufmerksamen Tagen – an diesem Tag der Herzallerliebsten noch einmal besonders aufmerksam und liebevoll zu begegnen.

Der Kuss

Der Kuss

 

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