Heute ist der Tag des Deutschen Bieres

By Matthias Morgenstern
On 23. April 2015 At 18:13

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Ein Prosit auf die Braukunst: Am 23. April feiern Männer weltweit den Tag des Deutschen Bieres. Denn an diesem Tag im Jahr 1516 wurde das deutsche Reinheitsgebot proklamiert. 

Und was waren das für unruhige Zeiten vor fast 500 Jahren: Kurz vor der Reformation waren die hygienischen Verhältnisse im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation erbärmlich, wer Wasser trank, fing sich häufig Magen- und Darmkrankheiten ein. Wein war zu teuer und an Arbeit war danach auch nicht mehr zu denken. Ein Relikt des hohen Wertes von Wein ist etwa das große Fass im Heidelberger Schloss, wohin sich die Kurpfälzer Kurfürsten die Abgaben der Untertanen liefern ließen.

Für das einfache Volk blieb seit jeher das Bier. Erstmals berichten Quellen im Jahr 736 von Bier im bayerischen Geisenfeld. Im Jahr 766 wurde in der ersten Bierurkunde der Welt eine Bier-Lieferung von Geisingen an der Donau in das Kloster St. Gallen beglaubigt.

Vor allem Mönche brauten den Gerstensaft, wovon heute noch bekannte Namen wie Paulaner oder Franziskaner zeugen. Auch die Bauern brauten, sie verwendeten dazu mitunter allerhand Kräuter mit halluzinogenen Eigenschaften wie Tollkirschen, Schlafmohn, Muskatnuss oder Wermut. Nicht gut für den Fürsten, wenn das Gesinde kollabierte, was auch oft am minderwertigen Getreide lag. Das Korn zum Brauen fehlte zudem für das Brot. Somit war ein wichtiger Grund für den Erlass von 1516 die Sicherstellung der Versorgung mit Lebensmitteln: Der wertvollere Weizen oder Roggen war den Bäckern vorbehalten.

So widmeten sich die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. nach dem Landshuter Erbfolgekrieg einmal der Wiedervereinigung der bayerischen Teilherzogtümer und auch gleich dem Bier, das zudem auch gleich das stets leere Staatssäckel füllte. In der Bayerischen Landesordnung vom 23. April 1516 heißt es:

Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. >>

Diese Festlegung wurde später auch „Münchner Reinheitsgebot“ oder „Weißenseer Reinheitsgebot“ genannt. Seit 1516 sind also Wasser, Hopfen und Gerste erlaubt, die Hefe wurde erst später erwähnt

Als gezuckerte und mit allerhand Zutaten versetzte Biere aus dem Ausland den hiesigen Brauereien zusetzten, erinnerten sich die Braumeister an die werbekräftige und traditionsstiftende Regel des Jahres 1516. Erstmals wurde der konkrete Begriff „Reinheitsgebot“ in einem Sitzungsprotokoll des bayrischen Landtags vom 4. März 1918 belegt. Und seit 1995 feiern Brauer und Genießer den Tag des Deutschen Bieres.

Die wichtigsten Sorten sind heute Pils, ein untergärig gebrautes, herbes Bier. Süßer und fruchtiger ist Weizenbier mit seinem typischen Bananen-Geruch. Bockbiere wurden traditionell ab November über den Winter gebraut, da sie nährreicher sind. Alles in allem werden die Kunden wieder experimentierfreudiger: Nischen-Sorten wie Weizenbock, Eisbock, Rauchbier, Roggenbier erfreuen sich hoher Nachfrage. Und selbst alte Sorten sind wieder zurückgekehrt, etwa das saure Gose, ein helles Weißbier aus Sachsen und Thüringen, das oft mit Kümmel-Likör oder Johannisbeersaft getrunken wird.
Übrigens ist Deutschland keineswegs das erste Land mit Reinheitsgebot: Schon im 18. Jahrhundert vor Christus finden sich im Codex Hammurapi in Babylon umfangreiche Regeln zum Lebensmittelrecht, wobei Bier eine bedeutende Rolle einnimmt. Die Moral: Gutes hält sich ewig.

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